MT HENNIG - PSYCHEDELIC 2007

 

Was in den Titel anklingt, wird auch in seiner zeitgenössischen Malerei sichtbar: Einerseits öffnen Hennigs Bilder den Blick in Traumwelten, in die immer wieder Versatzstücke der Realität hineinbrechen und die Idealwelt stören (Nihilism, Fesseln, Anti-Sex-Orden, Körper-Käfig), andererseits scheinen sie in ihren Motiven, die Fotografien entlehnt sind, geradezu dem Hier und Jetzt, der Realität verpflichtet (Sunshine-Boulevard, Häuptling Segafredo, Eskimo, Brixton ).

 

Verbindendes Element beider Werkgruppen ist die Malerei, die besondere Materialität der Farbe, die der Künstler bewusst als Stilmittel einsetzt, indem er mit Schichten verschieden verdichteter Farbe arbeitet. Sie bleibt als Material immer fassbar, verleiht den Bildern zuweilen ein trashiges Ambiente.

 

Im Extremfall schüttet Hennig Farbe in verdünnter Form und in kalkulierten Bahnen über die Leinwand. Neben Farbe kann das auch gelegentlich Kaffee sein (Häuptling Segafredo). Mal entwickelt die Farbform im Bild ein geradezu surrealistisches Eigenleben (Gedankenkraft, Elisabeth), mal treten die mit pastosen Strichen markierten Motive hinter einem Schleier oder Raster zurück und entrücken sie dem direkten Zugriff des Betrachters (Tranzszendentalreise, White Meditation).

 

Die Ambivalenz zwischen Realitätsabbild und transzendentalen, esoterischen Vorstellungswelten ist ein grundlegendes Spannungsmoment in Hennigs Kunst, für den ausgedehnte Reisen in andere Kulturen, fremde Religionen, eigene spirituelle Erlebnisse und alternative Lebensentwürfe ständige Inspirationsquellen sind. Dahinter steckt nicht nur die Erkenntnis, dass sich letztlich jeder seine eigene Realität erschafft, sondern auch der Wunsch, die überwältigen Eindrücke einer sich immer schneller verändernden Welt zu verarbeiten und durch Malerei zu vermitteln.

 

Hennigs Bilder, die von motivischen Überlagerungen geprägt sind, spiegeln diesen Aspekt ständiger Metamorphose wider. Sie sind bevölkert von Figuren einer ganz individuellen Mythologie, oft von Frauen oder Gestalten, die in spirituelle Übungen versunken sind (Anti-Sex-Orden, Zeitreise, Transcendentalis, White Meditation, Lessure Negro). Die expressive Farbigkeit und motivischen Überlagerungen sind dabei Ausdruck innerer Widersprüche und miteinander verstrickter paralleler Welten.


Annegret Gerleit

 

München Hamburg Berlin Düsseldorf Köln 

Tänzerin

2001 - 100x80cm - Öl auf LW Copyright MTH